Verbundenheit, mein Lieblingsthema, seit ich denken kann. Als Kind erlebte ich das Gegenteil. Doch ich wusste, dass es diese Wärme gibt. Ich kannte sie gut. Und fragte mich immer und immer wieder: warum hört denn hier niemand zu? Warum sprechen wir nicht einfach? Einer nach dem anderen.
Oft fand ich mich schutzlos und allein. Ich machte die Vermeidung von Hilflosigkeit und Schwäche zum obersten Prinzip. Auf keinen Fall wollte ich mit meiner Verletzlichkeit gesehen werden. Es sollte sehr lange dauern, bis ich begriff, dass ich nie damit aufgehört hatte.
Konkret bedeutete dies, dass ich mich innerlich versteckte. Ich begann eine Art Doppelleben zu führen. Setzte mich stark unter Druck, genug zu leisten. Mit 13 überfiel mich zum ersten Mal eine Sozialphobie. Ab sofort war sie omnipräsent und beeinflusste alle persönlichen und beruflichen Weichenstellungen. Es ging, anfangs mehr, später weniger stets darum , dieser Angst auszuweichen, mit meiner Sensibiltät gesehen zu werden.
Schule und später Studium in Berlin – nach außen funktionierte alles unauffällig. Herausforderungen ging ich instinktiv aus dem Weg. Wenn etwas nicht einfach lief, zog ich, nicht selten mit leidvollen Trennungen, meiner Wehe. Und begann etwas Neues.
Etwa mit 40 wurde mir bewusst, dass das ein sehr anstrengendes Leben war. Und dass ich irgendwie gegen mich selbst vorärts ging. Während andere sich kuschelige Nester gebaut hatten, begann ich in meinem „Ich brauch niemanden“ Leben zu frösteln.
Verbundenheit in Gruppen finden
Mit wurde bewusst, dass ich mir Beziehungen wünschte, die halten. In denen ich bleiben und aufgehoben fühlen konnte.
Mit 40 etwa entschied ich, mich aktiv der „achtsamen Sprache“ zu nähern. Ich wollte lernen, mit anderen zusammen zu sein. Wollte herausfinden, wie es möglich war, Konflikte zu lösen. Die erste Erfahrung war ein wundervolles Gruppencoaching für Frauen. Eine wundervolle warmherzige Trainerin bewirkte, dass in nur 5 Tagen jede von uns einen halben Meter – in ihre eigene Schönheit hinein wuchs. Iris Gordon ist bis heute mein Vorbild und hat mich stark geprägt.
Selbsterforschung
Die Klarheit der Leitung, die wärmende schützende Hand trug ein intensives Miteinander, das das Wachstum jeder Enzelnen wiederum stärkte. Es war magisch und ich habe Ähnliches in den darauffolgenden Jahren immer wieder selbst erlebt. Seitdem faszinieren mich die Kraft von Gruppenprozessen.
Geschützte Räume
Die Räume müssen bewusst gehalten werden. Ich erlebte etliche Facetten des Miteinanders, von euphorischen Wachstumsschüben bis zu mobbingartigen Prozessen war alles dabei. Mein Wunsch war es immer, die Konflikte wirklich zu transformieren.
2008
Und dafür ist die GFK ein großartiges Tool. Ich lernte und lernte es und wuchs und wuchs. Es ist ein sehr bodenständiges und simples 4 Schritte Konzept, in dessen Mittelpunkt die Bedürfnisse stehen. Wenn ich mich auf das Modell einlasse, erfahre ich meine Wahrheit hinter einem Konflikt. Meine wahren Verhaltens- oder Reaktionsmotive. Und auch die des Gegenübers. Ich übernehme Verantwortung für mein Fühlen und erkenne die Richtung, in die ich gehen möchte.
Der größte Ertrag liegt für mich darin, mich selbst dadurch zu erkennen – und dann entscheiden zu können: suche ich den Austausch? Lade ich zum Gespräch ein? Lasse ich es ruhen?
Eigene Räume seit 2015
2015 war es soweit: ich gab mein erstes GFK-Seminar. Während andere sofort sogenannte Übungsgruppen gründeten, dauerte es bei mir 8 Jahre, bis ich mich traute, die Seminarbühne zu betreten. Doch das Modell der 4 Schritte (GFK nach Rosenberg) selbst diente mir als Brücke, mich „unperfekt“ zu zeigen. Diese Hürde zu überwinden war ein absoluter Meilenstein! Mit diesem verletzlichen Anteil mich zu zeigen und gleichzeitig die Trainerin zu sein – das ist möglich. Mit der Seminararbeit kam ich in meiner Berufung an.
Spirituelles Enneagramm
2017 entdeckte ich konkret das Spirituelle Enneagramm nach Eli Jaxon Bear. Ich begann, mein Handeln tiefer zu verstehen. Und was für eine Erleichterung: auch das der anderen. Das Enneagramm ist seit dieser Zeit ein zentrales, kluges, tiefes Medium, denn es beschreibt die Art, wie ich kontrolliere. Wo meine unbewussten Antreiber sich verstecken. Und die der anderen. Die Entdeckung des eigenen Musters ist eine unschätzbare Reise zu uns selbst. Auch in der Beratung schätze ich es als ein gewichtiges Tool.
2020 Neues Leben
Mit dem Beginn der sogenannten Pandemie verließ ich das alte Leben. Der ungeliebte Job verabschiedete sich quasi von selbst.
2022 löste ich meine schöne Wohnung in Bremen auf und ging nach Italien. Hier lebe ich seitdem mit meinem Partner in der wunderschönen Gebirgstoskana zusammen.
Wege in die Sichtbarkeit
Mit der Veränderung zur digitalen Nomadin veränderte sich auch die Ausrichtung. Um online sichtbar zu werden, begann (schon 2021) eine neue Forschungsphase.
In 2 großen Mentoringprogrammen zur Stärkung der Onlinepräsenz kam ich wichtige Wachstumsschritte vorwärts. Doch das stete Werben in den sozialen Medien erwies sich nicht als passend und zielführend.
Und so befinde ich mich weiter auf der Suche nach dem Ort oder den Plätzen, an denen ich online wirksam werde.
Rückblickend empfinde ich den großen Schritt heraus aus der Sicherheit als Katalysator, der zutage brachte, dass ich anstelle des ewigen Ringens um materielle Sicherheit loslassen und ins Vertrauen gehen darf.
BLOG
Heute schreibe Geschichten und Blogartikel. Das Machen tritt zurück. Das „Sein“ rückt in den Vordergrund. Ohne zu wissen, wie genau die Zukunft aussieht, lebe ich in die Vision hinein, demnächst hier in der wunderschönen toskanischen Natur einen lebendigen Platz für Gruppen zu schaffen.
Ich staune, wie die Welt sich rasant verändert. Auch ich selbst. Schreiben, Teilen, Gemeinschaften, Vernetzung und natürlich Partnerschaft, das sind die Themen, die mich beschäftigen. Und die zu stärken meine Lebensaufgabe ist.
Erkennen wir die Größe des Moments gemeinsam und fangen wir bei uns selbst mit dem Frieden an.
Was sich lange wie eine Phrase anfühlte, erlangt heute einen tiefen, greifbaren Sinn. Der Lärm lässt nach. Und das Ziel darf der Weg sein.
Herzliche Grüße aus Pieve Santo Stefano
von Almut Hinney
Einige biografische Daten
- 1983 Abitur in Wuppertal
- 1992 Magister Artium Lateinamerikanistik FU Berlin
- 1992* Reiseführerautorin in Venezuela
- 1993* Zusammenarbeit mit ARDIGUA-NGO in Mexiko/ Guatemala
- 1994 Kulturmanagement Ausbildung Berlin
- 1994-98* nterkulturelles EU Bildungsprojekt „Eine Welt im FEZ“ im ehemaligen Pionierpalast in Berlin Köpenick
- 2001 Der rote Teppich – Gruppencoaching
- 2004-06 Systemisches Coaching – Ausbildung BIF Berlin
- 2005-10* Comestival-Feinkost/ Produktion und Vertrieb – Messen und Online-Verkauf in Münster
- 2008 5 Tage GFK-Einführung in Altenbücken
- 2008-15 3 Jahrestrainings/ Kongresse/ Übungsgruppen/ Seminare im In- und Ausland
- 2015-19* Eigene Seminare GFK
- 2017 Enneagramm und Stille-Retreats Ch.Meyer/ A.Winklhofer
- 2018* Enneagramm Workshop
- 2020-25 Italien, Seminare, Online Mentoringprogramme, Ankommen in den Zeiten des Wandels
* = Leitung
